Glaube

Haltet die Welt an

  • Dauer: 60 Minuten

  • Alter: Ab 10 Jahren

Eine Andacht für Krisensituationen

Manchmal treffen uns Schicksalsschläge ganz unvorbereitet. Ein Mini aus der Gruppe hat einen Angehörigen verloren, jemand hatte einen schweren Unfall, ein Terroranschlag triff t Deutschland. Oft macht uns dies hilflos und sprachlos. Dann ist es gut, dass wir unsere Gedanken, unsere Trauer, unsere Fragen, ja auch unsere Wut vor Gott bringen können.

Ablauf

Begrüßung und Eröffnung

Gebet

Lied

Lesung und Kurzkatechese

Stationen in Stille

Fürbitten

Vaterunser

Segensbitte

Lied

Detaillierter Ablauf

Begrüßung und Eröffnung

Begrüße deine Minis und führe anschließend in die Andacht ein:

„Haltet die Welt an!“, heißt es in einem Lied der Band Glashaus. „Es fehlt ein Stück“. Wenn ein schweres Ereignis unser Leben erschüttert, fühlen wir uns aus der Bahn geworfen. Wir brauchen Zeit, um zu verarbeiten, was passiert ist. Aber um uns herum geht das Leben weiter. Jetzt wollen wir uns Zeit nehmen, für einen Moment „anhalten“ und unsere Gedanken vor Gott bringen. Wir sind dazu zusammengekommen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Macht zu den letzten Worten gemeinsam das Kreuzzeichen.

 

Gebet

Lade alle zum Beten ein und trage das folgende Gebet vor:

Lasst uns beten:

Kurze Stille zum persönlichen Gebet.

In einem Meer von Tränen
versinke ich,
mein Gott

In einen Abgrund von Trauer
falle ich,
mein Gott

Und ich hoffe,
dass auf dem Boden des Meeres
das Leben ist
und in der Tiefe des Abgrunds
Du selbst,
der alle Toten lebendig macht,
mein Gott
aus „Du Atem meines Lebens. Ausgewählte
Gebete“, von Anton Rotzetter, Herder, 2005

Lied

Singt gemeinsam das Lied „Ein Licht in dir geborgen“ von Gregor Linßen.

Lesung und Kurzkatechese

Bitte jenen Mini, der sich zu Anfang dazu bereit erklärt hat, die folgende Lesung vorzutragen:

Lesung aus dem Evangelium nach Matthäus:
Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem
Grundstück, das man Getsemani
nennt, und sagte zu den Jüngern:
Setzt euch hier, während ich dorthin
gehe und bete! Und er nahm Petrus
und die beiden Söhne des Zebedäus
mit sich. Da ergriff ihn Traurigkeit und
Angst und er sagte zu ihnen: Meine
Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier
und wacht mit mir! Und er ging ein
Stück weiter, warf sich auf sein
Gesicht und betete: Mein Vater, wenn
es möglich ist, gehe dieser Kelch an
mir vorüber. Aber nicht wie ich will,
sondern wie du willst. Und er ging
zu den Jüngern zurück und fand sie
schlafend. Da sagte er zu Petrus:
Konntet ihr nicht einmal eine Stunde
mit mir wachen? Wacht und betet,
damit ihr nicht in Versuchung geratet!
Der Geist ist willig, aber das Fleisch
ist schwach. Wieder ging er weg, zum
zweiten Mal, und betete: Mein Vater,
wenn dieser Kelch an mir nicht
vorübergehen kann, ohne dass ich
ihn trinke, geschehe dein Wille.
Als er zurückkam, fand er sie wieder
schlafend, denn die Augen waren
ihnen zugefallen. Und er ließ sie, ging
wieder weg und betete zum dritten
Mal mit den gleichen Worten. Danach
kehrte er zu den Jüngern zurück und
sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch
und ruht euch aus? Siehe, die Stunde
ist gekommen und der Menschensohn
wird in die Hände von Sündern ausgeliefert.
Steht auf, wir wollen gehen!
Siehe, der mich ausliefert, ist da.
Mt 26,36–46

Haltet anschließend einige Minuten Stille. Greife dann die Lesung auf:

Jesus weiß, was ihm bevorsteht. Verrat, Verspottung, Schmerzen, Tod. Er hat Angst. Schwitzt Blut und Wasser. Am liebsten würde er das alles nicht erleben müssen. Seine besten Freunde verstehen nicht, was in ihm vorgeht. Sie schlafen ein, obwohl er sie gebeten hatte, mit ihm zu wachen. Jesus fühlt sich verlassen. In dieser Situation wendet er sich an Gott, seinen Vater und bittet um Hilfe, all das durchzustehen, was vor ihm liegt. Das können auch wir tun. Gott ist auch unser Vater, unsere Mutter. Wir können ihm anvertrauen, dass wir Angst haben, dass wir uns einsam, verlassen und unverstanden fühlen. Dass wir nicht wissen, wohin mit unserem Schmerz, unserer Angst. Wir dürfen ihn darum bitten, uns beizustehen und zu helfen.

Stationen in Stille

Erkläre deinen Minis, welche Aufgaben sie an den Stationen nachgehen können, die du aufgebaut hast. Bitte sie, dabei unbedingt absolute Stille zu halten.

Station 1: Teelichte anzünden
An dieser Station können die Teilnehmer ein Teelicht anzünden. Bitte jeden, all seine Gefühle – seine Wut, Trauer,  Ohnmacht – in diese Kerze zu legen. Wenn sie anschließend dazu bereit sind, können deine Minis ihr Licht vor Gott bringen, indem sie das Teelicht mit ihren Gefühlen vor das Kreuz stellen.

Station 2: Bitten schreiben
Lade alle ein, ihre Bitten auf vorbereitete Zettel zu schreiben und sie anschließend in den Korb zu legen. Wer will, kann seine Bitte auch behalten, um sie im Anschluss laut vorzutragen und alle um ihr Gebet zu bitten. Alle anderen Bitten werden später mit im stillen Gebet aufgegriffen.

Station 3: Klagen aufschreiben
Bitte deine Minis, an dieser Station Klagen zu formulieren und anschließend in den Korb zu legen. Möglicherweise könnt ihr auch die Klagen später im Gebet vor Gott tragen.

Fürbitten

Tragt nun eure Anliegen – Bitten, Fürbitten, Klagen – für den entsprechenden Anlass vor. Tragt jedes Gebetsanliegen mit dem Liedruf „O Lord Hear My Prayer“ (zu finden z. B. im Liedbuch „Feiert Jesus, Teil 2“) gemeinsam vor Gott. Wenn jemand verstorben ist:

  1. Herr, wir bitten dich für Name:
    Nimm sie / ihn auf in deine Gegenwart.
    2. Wir bitten dich für die Familie
    von Name: Steh ihr bei und schenke
    ihr Kraft.
    3. Wir bitten dich für die Freunde
    von Name: Sei du ihnen Trost
    und richte sie auf.

Wenn jemand schwer krank ist oder einen Unfall hatte:

  1. Herr, wir bitten dich für Name:
    Hilf ihr / ihm, stärke sie / ihn
    und gib ihr / ihm Kraft.
    2. Wir bitten dich für die Familie
    von Name: Steh ihr bei und schenke
    ihr Kraft.
    3. Wir bitten dich für die Freunde
    von Name: Sei du ihnen Trost
    und richte sie auf.

Nach einem Anschlag oder einem anderen dramatischen Ereignis:

  1. Herr, wir bitten dich für alle,
    die bei diesem Anschlag ihr Leben
    verloren haben.
    2. Wir bitten um Genesung für alle,
    die verletzt worden sind.
    3. Wir bitten dich um den Zusammenhalt
    aller Menschen in unserem Land.

Fügt jeweils anschließend ggf. jene Bitten und / oder Klagen ein, die in eurer Runde formuliert worden sind.

All unsere persönlichen Bitten,
Fragen und Klagen bringen wir
nun in Stille zu dir.

Stellt den Korb mit den aufgeschriebenen Gebetsanliegen vor das Kreuz und haltet einen Moment Stille.

Vaterunser

Leite zum Vaterunser über:

Gott hört unsere Bitten. Die ausgesprochenen und die unausgesprochenen und die, für die uns die Worte fehlen. Jesus selbst hat uns ein Gebet gegeben, das wir gerade dann beten können, wenn unsere eigenen Worte ausgehen. So beten wir zusammen das Vaterunser.

Segensbitte

Bitte zum Abschluss um Gottes Segen und beschließt die Andacht mit einem gemeinsamen Kreuzzeichen.

Gott, du bist der Ursprung
des Lebens und das Ziel.
Wir glauben an deine heilende
Gegenwart.
Wir haben unsere Klagen, unseren
Schmerz und unsere Bitten vor dich
gebracht.
Bleibe bei uns, wenn wir wieder
auseinandergehen.
Und schenke uns deinen reichen
Segen.
Den Segen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Lied

Singt gemeinsam das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ (GL 430).

 

Vorbereitung

Je nachdem, welche Station(en) ihr aufgreifen möchtet, braucht ihr Zettel und Stifte sowie einen Korb, um die  beschriebenen Zettel hineinzulegen, Teelichte und ein Feuerzeug. Gestaltet mit dem Tuch, der Kerze und dem Kreuz eine
Mitte und – mit den entsprechenden Materialien – die Stationen.

Je nachdem, ob ihr euch diese Andacht selbst zutraut und wie schwer die Situation ist, solltet ihr euch Unterstützung von einem Seelsorger holen, der die Andacht begleitet. Das kann euer Pfarrer sein, eure Gemeindereferentin, aber auch eine andere Vertrauensperson, die dieser Aufgabe gewachsen ist.

Bitte vorab einen deiner Minis, sich mit der Lesung vertraut zu machen.

Die Plattform ministranten.de ist ein umfangreiches kostenloses Angebot für alle, die Gruppen leiten.

© Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, afj